Wie du dein Wochenbett vorbereitest und was du alles darüber wissen solltest – inkl. Checkliste (Teil 2)

An meinem vierten Tag im Wochenbett war ich noch in der Geburtsklinik auf dem Weg vom Frühstück zurück in mein Zimmer. Ich war weiß im Gesicht, aufgeschwemmt und hatte Milchflecken vorne auf meinem Krankenhauskittel. Zusätzlich hatte ich einen riesigen Blutfleck auf meinem Gewand in Höhe meines Hinterns, der mir aber erst später auffiel. Ich muss ein eigenartiges Bild abgegeben haben und dennoch war ich die glücklichste Frau in diesem Moment. Als ich den Gang entlang stolziert bin mit meinem kleinen perfekten Sohn und meiner eigenartigen Erscheinung fühlte ich mich wie eine Superheldin.

Nur um zwei Stunden später mit zwei Milchpumpen in der Hand im Schwesternzimmer zu sitzen und hemmungslos zu weinen. Und ich bin nicht die einzige mit solchen Erfahrungen, viele Frauen die ich begleiten durfte hatten eine emotionale Achterbahn und körperliche Herausforderungen zu durchleben.

Das muss natürlich nicht so sein, aber dennoch ist es öfters der Fall. In jedem Fall braucht dein Körper viel Zuwendung nach einer Schwangerschaft und Geburt. Viel Neues wird auf dich zukommen und auch wenn du jetzt noch nicht wissen kannst was es sein wird kannst du dich dennoch ein wenig darauf vorbereiten indem du diesen Artikel liest.

Was ist ein Wochenfluss?

Nach der Geburt reinigt sich deine Gebärmutter von dem überschüssigen Gewebe. Diese „Reinigung“ nennt man Wochenfluss (oder Lochien) und hat Ähnlichkeiten mit der normalen Menstruation. Jedoch ist der Wochenfluss natürlich mengenmäßig mehr, er dauert länger und sieht anders aus. Beim Wochenfluss wird unter anderem die überschüssige Gebärmutterschleimhaut aus der Schwangerschaft, Blut aus der Wunde die die Plazenta in der Gebärmutterwand zurück gelassen hat und mehr ausgeschieden. Die ersten Tage nach einer Geburt ist der Wochenfluss normalerweise so stark, dass man mehrmals täglich seine Einlagen wechseln muss. 

Tipps für deinen Wochenfluss

Die verwendeten Einlagen nennt man Wöchnerinneneinlagen. Sie sind um einiges dicker als normale Binden und trotzdem fangen sie nicht immer alles auf. Daher würde ich dir empfehlen im Wochenbett wenn möglich nur Gewand anzuziehen dass auch dreckig werden darf. Im besten Fall Gewand dass du nach dem Wochenbett auch entsorgen kannst ohne etwas zu vermissen. 

Ein weiterer wertvoller Tipp ist auch die Wöchnerinneneinlagen in den Kühlschrank zu legen. Bei einem geschwollenen Damm oder gar einem Dammriss kann die Kühlung sehr angenehm und abschwellend wirken. 

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Deine Gebärmutter ist in der Zeit nach der Geburt besonders infektionsanfällig da in der Gebärmutterwand durch die Plazentaablösung eine Wunde entstanden ist. Daher solltest du in dieser Zeit besonders auf Hygiene achten. Auch Sex ist in den Wochen nach der Geburt nicht erlaubt. Erst nach ungefähr 6 Wochen wenn der Wochenfluss sich gelegt hat könnt ihr, am besten nach Absprache mit der Hebamme wieder miteinander schlafen. Und auch wenn du dir nicht vorstellen kannst so kurz nach einer Geburt überhaupt Lust auf Sex zu haben. Ich habe schon öfter von Frauen gehört bei denen eine Geburt einen sehr Libido steigernden Effekt hatte. 

Was du über das Stillen wissen solltest

Besonders wenn es dein erstes Baby ist kannst du damit rechnen das ihr die ersten Wochen damit zubringen werden Stillen zu lernen. Denn weder du noch dein Baby könnt es. Daher nimm dir die Zeit und gönn dir die Ruhe bei jeder Stillmahlzeit. Versuch nicht nach der Uhr zu stillen oder von euch zu erwarten das von Anfang an alles perfekt zu funktionieren hat. 

Stell dich besser darauf ein dass dein Baby frustriert sein wird und weinen wird, die Brustwarze nicht ordentlich in den Mund bekommt, du erst eine Position finden musst in der du gut stillen kannst ohne Halsschmerzen zu bekommen oder ähnliches. All das ist ganz normal. Ich kann dir nur empfehlen dich bereits im Vorhinein in das Thema einzulesen* oder gegebenenfalls mit einer Stillberaterin zu reden.

Was du tun kannst wenn du zuwenig Milch produzierst

Zusätzlich muss sich deine Brust auf den Bedarf deines Kindes einstellen und lernen eine angemessene Menge an Milch zu produzieren. Dabei kann es sein dass du viel zu viel oder aber auch zuwenig produzierst. Vorallem letzteres kann stressig sein. Das beste was du für eine ausreichende Milchmenge tun kannst ist entspannt zu sein. Daher solltest du besonders wenn du das Gefühl hast zuwenig Milch zu produzieren darauf achten beim Stillen nicht gestört zu werden. Entspanne dich und sorge für eine angenehme Atmosphäre. Auch dein Kind wird sich leichter tun wenn es nicht abgelenkt ist. 

Um genügend Milch zu produzieren, aber auch einfach für deine Gesundheit solltest du ausserdem nach wie vor auf eine ausgeglichene gesunde Ernährung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr achten. Besonders Stilltee* mit Fenchel, Kümmel und Bockshornklee kann helfen die Milchbildung zu regulieren. Gleichzeitig hilft er auch Blähungen zu reduzieren die im Wochenbett häufiger vorkommen können. Zusätzlich kannst du auch mit malzhaltigen Getränken, wie z.B. Malzbier, Malzkaffee oder Ovomaltine deine Milchproduktion anregen. 

Was du tun kannst wenn deine Brüste schmerzen

Hast du zuviel Milch und deine Brüste schmerzen kannst zu in den Stillpausen immer wieder Topfenumschläge machen oder versuchen deine Milch auszustreichen. Besonders unter der warmen Dusche funktioniert das sehr gut, aber Achtung zuviel Wärme kann die Milchbildung wiederum anregen. Das richtige Mass zu finden ist wichtig. Außerdem solltest du darauf achten keine engen BHs anzuziehen und damit rechnen dass alle Shirts, BHs und auch dein Bett nass werden können von deiner Milch. Zuviel Milch kannst du wie gesagt auch ausstreichen und einfrieren um sie später als Badezusatz oder bei Windelausschlag zu verwenden. 

Bei schmerzenden und heißen Brüsten heißt es verschiedenen Studien zufolge das Kohlblätter helfen sollen Entzündungen vorzubeugen bzw. zu lindern.(1) Einer Untersuchung verschiedener Studien zufolge konnten keine Unterschiede zu gekühlten Kohlblättern oder anderen Anwendungen mit Placebos ausgemacht werden. Dafür soll eine spezielle Massagetechnik namens Gua Sha geholfen haben Brustentzündungen zu reduzieren.(4) Zusätzlich können auch Stilleinlagen in den Kühlschrank gelegt werden. Zu Stilleinlagen kann man noch sagen dass die besten Stilleinlagen* jene waschbaren aus Baumwolle sind. Nicht nur wegen ihrer erheblich besseren Saugkraft im Gegensatz zu den Einwegeinlagen, aber auch wegen dem Tragekomfort. 

Neugeborenes Baby
Um das Wochenbett ausgiebig genießen zu können ist es wichtig sich darauf vorzubereiten, by Taylow Harding, Unsplash

Körperliche Beschwerden im Wochenbett

Wie ich vorhin bereits angedeutet habe kann es nach der Geburt durch die hormonelle Umstellung zu vermehrten Blähungen kommen. Besonders nach einer Geburt kann das sehr unangenehm sein da der komplette Bauchraum empfindlich ist. In dieser Zeit sollte man nicht nur für sein Kind aber auch für sich von blähenden Lebensmitteln Abstand halten und viel Fencheltee trinken.

Aber auch Hämorrhoiden und Dammverletzungen können unangenehm sein. Hier hilft einerseits Kühlung, aber auch entsprechende ballaststoffreiche Ernährung. Der erste Klogang nach einer Geburt kann eine echte Überwindung sein und fühlt sich für alle Mütter eigenartig an. Hier kann es helfen wenn man mit seiner Hebamme abklärt ob Magnesium helfen kann den Stuhlgang zu erleichtern. Bei Hämorrhoiden und einem wunden Damm, auch wenn er nicht gerissen ist oder geschnitten wurde, ist es für viele Frauen angenehm wenn sie ein wenig Kokosöl, Mandelöl oder Olivenöl auftragen. Alternativ kannst du auch ein wenig von dem Öl auf deine Wöchnerinneneinlage geben und diese in den Kühlschrank legen bevor du sie verwendest.

Was du für deine Rückbildung im Wochenbett tun kannst

Nach einer Geburt braucht dein Körper Zeit um sich wieder zurückzubilden. Nicht nur dein Bauch, auch dein Beckenboden und dein Rücken müssen sich wieder an die Veränderung anpassen. Besonders dein Beckenboden braucht im Wochenbett liebevolle Aufmerksamkeit, z.B. solltest du besonders in dieser Zeit seitlich aus dem Bett aussteigen da du so deinen Beckenboden nicht belastest. 

Dein Körper hat sich durch die Schwangerschaft vermutlich ziemlich verändert. Es kann sein dass du Schwangerschaftsstreifen bekommen hast, eine Linie in der Mitte deines Bauches – die Linea nigra und einen nach aussen gekehrten Bauchnabel. Bis auf die Schwangerschaftsstreifen die immer heller und auch bald kaum mehr zu sehen sind, verschwinden meist alle Veränderungen mit der Zeit wieder von selbst. 

Was du außerdem über Nachwehen wissen solltest und was du tun kannst um leichter damit umzugehen.

Dein Beckenboden im Wochenbett

Deiner Beckenbodenrückbildung solltest du jedoch etwas Aufmerksamkeit schenken. Bereits im Wochenbett kannst du nach Absprache mit deiner Hebamme mit leichten (!) Beckenbodenübungen beginnen und ihn wieder kräftigen. Nach bereits 6 bis 8 Wochen kannst du auch schon Rückbildungskurse besuchen und nach 8 bis 10 Wochen ungefähr mit leichten Sportarten beginnen.(2) Je nachdem wie sportlich du bereits vor und während deiner Schwangerschaft warst wirst du schnell wieder die Figur haben die du vor deiner Schwangerschaft hattest. Maximal dauert es bei den meisten Frauen ein Jahr. 

Solltest du nach einem Jahr und regelmäßigem Sport sowie guter Ernährung noch nicht merklich abgenommen haben würde ich dir empfehlen einen Hormonstatus bei deinem Arzt machen zu lassen. Durch die extremen hormonellen Veränderungen in einer Schwangerschaft und danach kann es zu einem Ungleichgewicht kommen dass es dir erschwert abzunehmen. 

Achte aber in jedem Fall bitte darauf dass du nicht übertreibst. Also nicht zuviel Sport machst und auch keine Diäten hältst. Denn ein Übermaß an Sport kann besonders in der Stillzeit zu anstrengend sein für deinen Körper. Sowie Diäten schlecht sein können in der Stillzeit, da dadurch Schadstoffe frei werden können die dann in die Milch gelangen. 

Einige empfehlenswerte Sportarten zur Rückbildung sind Pilates, Yoga, Schwimmen, Kanga Training und spezielle Zumba Klassen mit Babies. Aber auch ein paar Stunden bei deiner Physiotherapeutin können helfen deinen Beckenboden wieder zu stärken, besonders wenn du nach einigen Wochen noch Schmerzen oder ein komisches Gefühl hast würde ich dir das ans Herz legen.(3) 

Was dein Baby in den ersten Wochen braucht

Dein Baby braucht in den ersten Wochen meist nicht viel. Stillen, Kuscheln und Schlafen füllen wahrscheinlich seinen Tag aus und somit auch deinen. Trotzdem gibt es einige Tipps die ich dir für dein Baby noch mitgeben möchte. 

Viele Babies leiden die ersten Tage nach der Geburt an einer Neugeborenengelbsucht. Im Normalfall und wenn es behandelt wird ist es absolut ungefährlich für das Kind. Es kann jedoch das Stillen erschweren. Lass dich dennoch nicht davon abbringen zu stillen wenn du es möchtest. Ein Tipp den man von Hebammen immer wieder hört ist Maisbarttee* für die stillende Mutter. So kann man angeblich über die Milch das Kind in der Lebertätigkeit bei einer Gelbsucht unterstützen. Ich selbst habe jedoch keine Erfahrungen zu dem Thema und würde dir raten es einfach mit deiner Hebamme zu besprechen. 

Einfach Tipps zur Babypflege

Weiters haben viele Babies in den ersten Wochen immer wieder Probleme mit der Haut. Sei es trockene Haut, Windelausschläge oder hormonelle Hautausschläge. Das ist ganz normal und hört wieder auf. Die Umstellung vom Fruchtwasser das einen perfekten pH Wert hat zu allem womit sie danach in Berührung kommen muss einfach irgendwie verarbeitet werden. Du kannst dein Baby soviel wie möglich an der frischen Luft und gerne auch immer wieder nackt in die Sonne legen. Achte dabei auf eine angenehme Temperatur. Außerdem würde ich dir zur Körperpflege einfaches reines Mandelöl* empfehlen oder Muttermilch wenn du sehr viel davon hast. 

Falls du dich fragst was du mit dem Nabelschnurrest machen sollst. Am besten reinigst du es vorsichtig immer wenn du eine frische Windel machst gleich mit. Dafür kannst du einen einfachen Waschlappen oder ein Wattepad mit etwas warmem Wasser oder auch Öl nehmen. Irgendwann fällt er dann ganz von selbst ab. Dafür brauchst du nichts weiter zu tun. 

Und noch ein kleiner Tipp für euch beide

Dein Kind wird in den ersten Wochen vor allem noch keinen Schlafrhythmus haben. Daher ist es ratsam viel zu schlafen wenn dein Kind schläft. Aber auch in deinem Bett oder wenigstens in Reichweite würde ich an deiner Stelle eine Wickelstation errichten. So musst du in der Nacht nicht aufstehen um zu wickeln was sich für viele Mamas als sehr angenehm erwiesen hat. Eine Decke oder Wickelunterlage, Windeln, Feuchttücher oder Ähnliches und ein kleines Licht ist alles was du in greifbarer Nähe brauchst. 

Falls du noch Ideen teilen möchtest oder selbst gute Erfahrungen mit etwas im Wochenbett gemacht hast lass es mich wissen. Ich freue mich von dir zu lesen! 

daily doula - Info zu Geburt, Schwangerschaft und Wochenbett

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Quellenangabe

  1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27820535
  2. https://www.schwanger.at/artikel/rueckbildungsgymnastik.html
  3. https://www.schwanger.at/artikel/sport-nach-der-geburt.html
  4. https://www.cochrane.org/de/CD006946/PREG_behandlungsmethoden-bei-milchstau-ubervolle-harte-schmerzhafte-brust-bei-stillenden-muttern

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