Was dir (wahrscheinlich) noch niemand über das Wochenbett gesagt hat – inkl. Checkliste (Teil 1)

Das Wochenbett oder das 4. Trimester

Das Wochenbett ist die Zeit nach der Geburt und dauert laut Hebammen bis zu 8 Wochen. Dabei gilt die gängige Regel für die Wiedereroberung deiner Umgebung nach der Geburt, dass du die erste Woche im Bett verbringst, in der zweiten den Radius um das Bett herum ausweitest, danach in der Wohnung und in der vierten Woche erst um das Haus spazierst.

Jedoch kenne ich persönlich wenige – sehr wenige Frauen die sich so genau an diese Regelung im Wochenbett gehalten haben. Denn meistens gilt: Wenn du dich gut genug fühlst kannst du dich bewegen und auch schon mal mit deinem Neugeborenen um den Block spazieren. 

Aber überfordere dich erstmal nicht! Denn nicht nur du brauchst vielleicht noch Ruhe. Auch dein frischgeschlüpftes Baby lernt die Welt neu kennen und nimmt alle Eindrücke wie Gerüche, Geräusche und Empfindungen vielleicht zum ersten Mal wahr. Daher gehe behutsam und bewusst mit ihm um und mute ihm nicht zuviel zu. 

Die ersten 24h nach der Geburt

Egal wie aufregend und erschöpfend die Geburt deines Kindes vielleicht war. In den meisten Fällen ist es so, dass du in den ersten 24h danach kein Auge zu tun kannst weil du deinen kleinen Engel bestaunst. 

Das spannende ist, dass die meisten Frauen auch gar nicht müde sind. Dabei ist es oft egal ob die Geburt 3 oder 30 Stunden gedauert hat und ob es eine vaginale Geburt oder ein Notkaiserschnitt war. Du kannst dich also schon im Vorhinein darauf einstellen, dass dein Körper dir einen Hormoncocktail zusammen mischt der dich die Nacht wach hält. 

Anders als bei den meisten Vätern, die oftmals nach einer langen Geburt erschöpft ins Bett fallen. Im Normalfall reicht aber auch hier ein etwas lauteres Stöhnen oder Seufzen und sie sind wieder wach um nach dem Rechten zu sehen und sich um ihre Familie zu kümmern. 

Ein weiterer wichtiger Punkt in den ersten paar Stunden im Wochenbett ist das Stillen. Oft ist es so, dass Neugeborene wenn sie nicht zu erschöpft oder aufgeregt sind (z.B. nach einer PDA oder Notkaiserschnitt) perfekt an der Brust andocken. Es kann so wirken als ob sie genau wüssten was sie zu tun haben. Oftmals ändert sich dieser Zustand aber wieder und das Stillen muss doch von Mutter und Kind gelernt werden. Das ist ganz normal. Solltest du Probleme haben beim Stillen trau dich nach Hilfe zu fragen. Im besten Fall gibt es auf der Station eine gut ausgebildete Stillberaterin oder du hast bereits eine an der Hand die du schon in der Schwangerschaft kontaktiert hast.

Die ersten 3-4 Tage im Wochenbett

In den ersten Tagen im Wochenbett entstehen wahrscheinlich die meisten Fotos von deinem Liebling, denn in diesen Tagen gibt es nichts Schöneres als diesen kleinen Menschen vor dir. 

“Baby Blues”

Natürlich ist das leider nicht immer der Fall und bei ca. 15% aller Frauen kann es zu einer postnatalen Depression im Wochenbett kommen. Falls das bei dir der Fall ist bist du damit nicht alleine. Wende dich an deine Hebamme, deinen Mann und andere Personen in deinem Vertrauenskreis. Halte nicht damit zurück, denn das macht es nur noch schwerer für dich. Es ist nicht deine Schuld dass du schwieriger eine Verbindung zu deinem Kind aufbauen kannst und dich überfordert fühlst. Im Normalfall liegt das an der extremen Veränderung deiner Hormone und auch der enormen Anforderung an dich, aber es können auch andere Ursachen zu einem “Baby Blues” führen. In jedem Fall sollte man mit seiner Hebamme oder seinem Gynäkologen, vor allem aber mit seinem Partner darüber reden.(1)

Lymphstau nach der Geburt

Durch die hormonelle Umstellung im Wochenbett kann es zu vermehrten Wassereinlagerungen und einem leichten Lymphstau kommen.Daher wunder dich nicht wenn deine Beine anschwellen und deine Füße sich komisch anfühlen wenn du auftrittst. Am besten pack dir schonmal größere Hausschuhe in deine Geburtstasche wenn du vorhast ein paar Tage im KH zu bleiben. 

Vormilch – das gelbe Gold

Die ersten Tage nach der Geburt hast du sehr wenig Milch – die sogenannte Vormilch oder Kolostrum. Diese Milch kann die unterschiedlichsten Farben annehmen, wobei sie meist gelblich ist aber auch ein grünlicher Ton kann noch normal sein. 

Das Kolostrum enthält all die notwendigen Nährstoffe und alle Antikörper die dein Kind in den ersten Tagen benötigt. Dabei ist die Menge der Milch in den ersten paar Tagen sehr gering und das ist gut so. Denn der Magen deines Kindes lernt so sich an die langsam aber stetig wachsende Menge an Nahrung anzupassen und dehnt sich mit jedem Tag mehr aus. Nach der Geburt ist der Magen deines Babies nur so groß wie eine Haselnuss und braucht dementsprechend wenig Nahrung. Stress dich also nicht, wenn dir die Milch zuwenig vorkommt, dein Busen stellt sich auf das Nahrungsbedürfnis deines Kindes ein.(2)

Auch ein Gewichtsverlust bei deinem Kind in den ersten Tagen nach der Geburt ist ganz normal und hört nach ein paar Tagen bzw. einer Woche im Normalfall wieder auf. Keine Sorge, deine Hebamme wird dich in dieser Angelegenheit gut beraten. Wenn du dir Sorgen machst dass dein Kind zuviel abnimmt biete ihm einfach öfters die Brust oder streiche etwas Milch aus und füttere es zusätzlich mit deiner Muttermilch aus einem kleinen Glas oder mit einer Pipette um einer sogenannte Stillverwirrung vorzubeugen.

Als Vorbereitung auf dein Wochenbett solltest du dich auch mit dem Stillen auseinandersetzen. So bist du vorbereitet und sicher falls es zu Komplikationen kommt. Ein großartiger Klassiker zu dem Thema ist “Das Stillbuch” von Hannah Lothrop.* Besonders bei deinem ersten Kind kann es passieren dass es anfangs etwas schwieriger ist, weil ihr beide erst lernen müsst zu stillen. Daher kann ich dir nur wirklich ans Herz legen dich schon vorher ausgiebig zu informieren.

Stillprobleme im Wochenbett

Solltest du nicht Stillen können oder wollen ist das natürlich schade, aber keinesfalls schlimm. Informiere dich am besten bei einer gut ausgebildeten Stillberaterin über die verschiedenen Arten der Pre-Milch und Fläschchen. Vielleicht klappt es sogar dass du dein Baby stillst und zusätzlich zu fütterst. Das Wichtigste ist, dass es für euch passt und ihr glücklich, zufrieden und entspannt seid damit.

Geburtsverletzungen

Wenn du eine vaginale Geburt hattest kann es sein dass du einen Dammriss (oder -schnitt) hattest. Aber auch wenn nicht passiert es oft dass die kleinen Schamlippen aufgrund der Dehnung ein wenig eingerissen sind. Das ist vollkommen normal und verheilt schnell und kaum sichtbar. Außerdem kann ich dich beruhigen, von all den Frauen mit denen ich bisher über ihre Erfahrungen geredet habe hatte keine während der Geburt Schmerzen wegen vaginalen Geburtsverletzungen. Also keine Sorge deshalb!

Jedoch kann es in den ersten Tagen nach der Geburt sehr unangenehm sein, da die Verletzungen beim Wasserlassen schmerzen können. Daher würde ich dir empfehlen in den Tagen nach der Geburt immer nur unter der Dusche zu pinkeln, denn Wasser neutralisiert deinen Urin und die kleinen oder größeren Risse brennen nicht. Alternativ dazu kannst du dir eine Wasserflasche mit aufs Klo nehmen und während dem Wasserlassen zusätzlich Wasser auf die betroffenen Stellen gießen, auch so entgehst du dem Brennen ein wenig.

Meist ist das Schlimmste nach nur wenigen Tagen überstanden und du kannst wieder ganz normal aufs Klo gehen. Denn durch die gute Durchblutung im Intimbereich heilt normal alles sehr schnell. Sollten Schmerzen oder unangenehmen Gefühle im Bereich deiner Dammnarbe zurückbleiben rede mit deiner Hebamme oder deinem Gynäkologen. Es gibt verschiedenste Möglichkeiten eine Narbe zu entstören und so leichter verheilen zu lassen. Auch ist der emotionale Aspekt, falls die Geburt nicht wie gewünscht verlaufen ist, ist nicht unerheblich bei der Heilung von Narben. Hier kann eine gute Psychotherapeutin die auf traumatische Geburtserfahrungen spezialisiert ist bestimmt helfen. Ansonsten können Softlasertherapie, Mikrostromtherapie und spezielle Cremes helfen die Heilung zu fördern.

Wie du dich am besten auf dein Wochenbett vorbereitest inkl. Checkliste.

Nachwehen

Nach der Geburt und besonders nach einem Kaiserschnitt, kann es sein, dass du Rückbildungsschmerzen in Form von Nachwehen beim Stillen hast. Das liegt daran dass durch Stillen Oxytocin ausgeschüttet wird. Dieses Hormon kann Wehen auslösen die das Zusammenziehen der Gebärmutter veranlassen. Durch die Verletzung in der Gebärmutterwand kann dieser Schmerz natürlich verstärkt wahrgenommen werden. Besonders nach einem geplanten Kaiserschnitt ist damit zu rechnen, da man davor oft nicht die natürlichen Wehenschmerzen erleben durfte wodurch Rückbildungsschmerzen sich oftmals nicht so heftig anfühlen wie wenn es die ersten wehenartigen Schmerzen sind die der Körper erlebt.

Auch nach einer vaginalen Geburt kann das, besonders nach mehreren Schwangerschaften, unangenehm bis schmerzhaft sein. Jedoch wirkt das wehenauslösende Hormon Oxytocin auch schmerzstillend, steigert das Gefühl verliebt zu sein und lässt uns wohlfühlen. Wodurch es den Schmerz, wenn er als solcher wahrgenommen wird auch wieder erträglich macht. Denn nicht alle Frauen erleben die Rückbildungswehen als schmerzhaft, auch nicht alle Frauen die einen Kaiserschnitt hatten.

Sollte es für dich schmerzhaft sein halte dich an die Atemübungen die du für die Geburt geübt hast und verbringe viel Zeit mit deinem Baby im Bett beim Kuscheln. Denn auch so wird Oxytocin freigesetzt dass die Rückbildung beschleunigt und gleichzeitig den Schmerz mindert.

Mehr zum Thema Nachwehen im Wochenbett findest du hier.

Milcheinschuss

Und dann kommt der Tag des Milcheinschusses und über Nacht hast du eine Oberweite wie Kate Upton. Leider kommen dazu oftmals noch unangenehme Begleiterscheinungen wie Hitzewallungen und nasse Flecken auf deinen Shirts oder vielleicht sogar Milchseen in denen du morgens aufwachst.

Außerdem kannst du dich ab jetzt daran gewöhnen, dass dein Busen anfängt zu tropfen oder bei auch zu rinnen, wenn du dein Baby (oder auch ein anderes Baby) weinen hörst. Daher solltest du spätestens jetzt dein Bett mit einer wasserundurchlässigen Unterlage* ausstatten. Auch geschwollene und schmerzende Brüste sind in den ersten Wochen bis Monaten nach Milcheinschuss ganz normal. Ein kleiner Erste-Hilfe-Tipp wären Topfenwickel für deine Brüste, Cool-Packs* nach dem Stillen oder auch gekühlte Kohlblätter in deinem BH. Denn Kohlblätter sollen Studien zufolge die Brustschwellung reduzieren.(3)

Sollte es mit dem Stillen nicht so gut funktionieren kann das auch an einem Übermaß an Stress liegen. Daher melde alle Besuche ab, lege dich mit deinem Baby ins Bett und das Wichtigste – kuschelt ganz viel und am besten Haut auf Haut. Denn dadurch wird wiederum Oxytocin ausgeschüttet welches die Milchproduktion steigert, aber auch reguliert. Daher hör nicht auf mit deinem Baby zu kuscheln wenn du geschwollene und schmerzende Brüste hast.

Überwältigende Emotionen im Wochenbett

Aber nicht nur die Milch tropft ab diesem Zeitpunkt, auch die Tränen kullern schneller als je zuvor. Gewöhne dich daran bei jeder noch so kleinen Gelegenheit ab sofort in Tränen auszubrechen. Natürlich ist nicht jede Frau so, aber viele sind sehr emotional in den Wochen nach der Geburt. Das liegt wie sooft an der veränderten Hormonsituation und legt sich meist nach einigen Wochen bzw. Monaten wieder.

Eine tolle Hilfe im Wochenbett könnte eine Doula sein. Was eine Doula ist und wie du die richtige Doula für dich findest erfährst du hier.

Sollte es länger als ein Jahr anhalten wäre es ratsam einen Hormonstatus bei deinem Arzt machen zu lassen um etwaige Probleme mit Schilddrüse und Co. ausschließen zu können.

Trotz all der Tränen, kleinen Schmerzen, Milchflecken und dicken Füße ist das Wochenbett eine wunderschöne, magische Zeit an die du immer gerne zurückdenken wirst. Egal wie aufreibend sie sein kann. Nimm jede Hilfe an die dir angeboten wird, denn du hast es verdient umsorgt zu werden.

Genieße diese wunderbaren Momente mit deinen Liebsten und mach viele Fotos, denn diese Zeit ist schnell vorbei und sehr kostbar!

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Quellenangabe

  1. https://www.swissmom.ch/geburt/wochenbett/emotionales/wochenbettdepression/
  2. https://www.babycenter.de/l25005343/so-gro%C3%9F-ist-der-magen-ihres-babys—in-bildern
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27820535

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